die story im Ersten: Ware Frau

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die story im Ersten: Ware Frau

WARE FRAU erzählt beispielhaft die Geschichten nigerianischer Mädchen und Frauen, deren Traum von einem besseren Leben in Europa zu einem Prostitutionsalbtraum in den Bordellen Saarbrückens, Frankfurts, Bonns und Krefelds wird.

Verlockt vom vermeintlichen Reichtum Europas drängen viele nigerianische Eltern eine oder mehrere ihrer Töchter, nach Europa zu gehen, um die Familie von dort aus mit Geld zu unterstützen. Meist gerade einmal im Teenageralter, geraten die Mädchen so in die Fänge brutaler Frauenhändler. Zunächst müssen sie sich einem okkulten “Juju”-Ritual in einem Voodoo-Schrein unterziehen. In einer blutigen Tieropfer-Zeremonie werden ihnen Fingernägel, Schamhaare und Menstruationsblut abgenommen, “besprochen” und im Schrein vergraben. So bleibt ein Teil von ihnen für den Priester “greifbar” – vollkommen unabhängig davon wo sich die Frau befindet. Erniedrigt und eingeschüchtert schwören sie ihren Peinigern während des Rituals bedingungslose Treue und verpflichten sich “Schulden” von bis zu €70.000 abzuarbeiten. Verstößt man gegen das Abkommen, drohen Krankheit und Tod.

An der Spitze dieses neuen und brutalen afrikanischen Sklavenhandels stehen die sogenannten “Madames” – skrupellose nigerianische Zuhälterinnen mit deutschen Pässen, die den nigerianischen Frauenhandel zum einzigen organisierten Verbrechen weltweit machen, das ausschließlich von Frauen kontrolliert wird.

Noch stehen die deutschen Behörden dem nigerianischen Frauenhandel ziemlich hilflos gegenüber. Zu oft hängen Ermittlungen an einzelnen, sehr engagierten Polizisten und Staatsanwälten. Meist fehlt das kulturelle Verständnis, um die Opfer zu einer Aussage gegen ihre Peinigerinnen zu bewegen. Und auch die deutschen Aufenthaltsgesetze helfen nicht. Denn ob eine Frau nach ihrer Aussage in Deutschland bleiben darf, liegt im Ermessen der jeweiligen Ausländerbehörde. Wird nach Nigeria abgeschoben, so endet die Leidensgeschichte keineswegs, da die Schulden der Betroffenen fortbestehen. Weil eine solche Summe in Nigeria nicht zu erwirtschaften ist, beginnt der Kreislauf häufig von neuem und das Mädchen ist bald wieder in Deutschland.

Die Dokumentation zeigt die Situation in Deutschland fünf Jahre nachdem sich der Dokumentarfilm “Meine Hölle Europa” das erste Mal mit den Schicksalen nigerianischer Zwangsprostituierter in Europa beschäftigte.

Buch/Regie: Lukas Roegler, Katrin Eckert
Kamera: Maximilian Kaiser
Schnitt: Daniel Scheuch
Redaktion: Birgit Virnich